Permanente Lebensoptimierung

Werfen wir einen Blick in die, zugegeben, mittlerweile meist virtuellen Bücherregale in den virtuellen Buchläden, dann strahlen uns immer neue Sachbücher, zu den meist alten Themen entgegen.

 

Ist Dir schon mal aufgefallen, das jeder zweite dieser Manifeste, spätestens im Untertitel, den Zusatz trägt "Wie Du..."

 

 

 

Selbstoptimierung in allen bekannten Lebensbereichen.

 

"Wie Du...abnehmen...effektiver werden...fitter werden...schlauer werden...nicht mehr so traurig bist...besser schlafen...mehr Konzentration bekommst..."

 

Auch gerne genommen sind solche Titel und Themen:

 

"5 Wege wie Du...abnehmen...effektiver werden...fitter...schöner...schlanker..werden kannst.."

 

Sicherlich ist da nichts Verwerfliches dabei. Schließlich befindet Ihr Euch auch hier auf einem Blog, bei dem es darum geht, sein Leben auf die Reihe zu bekommen.

 

Und ja ich weiß - Marketing verlangt nach einem anständigen Titel, der den Kunden verführt und in dazu anregt mehr davon lesen zu wollen.

 

 

Wirklich alles suboptimal?

Schauen wir uns das Ganze aber mal im Kopfstand an, dann heißt das doch nicht anderes, als das wir enorm viele Bereiche in unserem Leben haben, welche heute eben nicht gut laufen. Eher suboptimal - darum müssen wir sie ja optimieren.

 

Ist dem wirklich so? Oder brauchen wir eventuell mal einen Ratgeber, der uns Ratschläge erteilt, nicht so viele Ratgeber zu lesen?

 

Darüber hinaus - wie konnten eigentlich unsere Vorfahren ein einigermaßen sorgenfreies Leben führen, ohne diese ganze Lektüre zu lesen? Die konnten doch niemals Ihre Arbeit auf die Reihe bekommen, die Kinder erziehen, ein Sozialleben haben, nicht dick werden und das alles ohne einen dieser Ratgeber?!

 

Bildung schadet (nie)

Schalten wir den Modus der Ironie mal kurz aus. Natürlich, das predigen wir auch hier immer wieder, ist es immens wichtig, sich immer weiter zu bilden. Nie im Leben damit aufzuhören. Hören wir auf uns weiterzubilden, dann gehen wir ein. Wir verrotten innerlich. 

 

Doch gibt es verschiedene Wege, die man wählen kann, um sein Wissen zu erweitern. Schlagen wir den Pfad der Ratgeber ein, wird uns permanent unterschwellig suggeriert, dass wir irgendetwas nicht können. Zumindest nicht gut können. So gut wie man es können sollte, eh nicht.

 

Dies führt uns zu dem Punkt, dass wenn wir einen Ratgeber durch haben, uns auffällt, dass wir für die Umsetzung der Tipps mindestens noch vier weitere Lebensbereiche verbessern müssen.

 

Ich gebe Dir ein ganz einfach, zum Thema passendes Beispiel. Lesen.

 

Der Fakt das Lesen bildet und Bildung gut tut, ist denke ich unbestritten. Also wird Dir in einem Ratgeber, unter anderem suggeriert, dass Du mindestens 5 Bücher im Monat lesen solltest.

 

Am Ende des Buches bist Du wahnsinnig motiviert, kaufst Dir die ersten fünf Bücher und beginnst zu lesen. Schnell wird Dir klar, das Du Dein Vorhaben einfach nicht in Deinen Alltag integrieren kannst. 

 

Was also tun, andere schaffen das doch schließlich auch?!

 

Du musst einfach Dein Zeitmanagement verbessern und zum Glück gibt es da diesen Ratgeber

 

"Wie schaffe ich durch effektives Zeitmanagement, drei Stunden täglich zu sparen"

 

Den kaufst Du Dir natürlich gleich, denn dann schaffst Du es auch das umzusetzen, was Dir im ersten Ratgeber empfohlen wurde.

 

Muss ich noch fortfahren...?

 

 

Marathon kein Sprint

Nehmen wir an Du bist Mitte 30 und hast es bisher eben nicht geschafft 5 Bücher zu lesen. Das schlechte Gewissen das Dir im Ratgeber eingeredet wird, ist nicht zielführend.

 

#simplethinking - Fortschritt nicht Perfektion.

 

Glaub mir, Du wirst es überleben, wenn Du zukünftig nur ein Buch im Monat liest. Es ist trotzdem schon ein Buch mehr, als es vielleicht bisher war. Bildung bedeutet lebenslanges Lernen und nicht das Du Dir in zwei Wochen soviel Wissen in den Kopf ballerst, wie nur irgendwie möglich.

 

Halbvoll oder halbleer

Am wichtigsten hierbei ist vor allem ein entspannter Umgang mit der Materie. Solche Bezeichnungen wie "Optimierung" oder "Effektiver" oder auch "Glücklicher", suggerieren Dir immer, das Dein Glas halbleer ist, 

 

Doch in Wahrheit ist es doch so das Dein Glas halbvoll ist. Du kannst nicht so wenig geleistet haben, so unglücklich sein und so suboptimal vor Dich hin leben. 

 

Du bist schließlich ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft, bist Mutter oder Vater, Du bist jemandes Kind, bist eine Freundin für jemanden und gehst jeden Tag zu einer Arbeitsstelle bei der Deine Arbeitskraft gebraucht wird.

 

Vergiss das nie!

 

Hast Du darüber hinaus die Ambition dazu zu lernen, Wissen aufzubauen oder Dich weiter zu entwickeln, dann füllst Du Dein Glas einfach weiter auf.

 

Bildung mit Augenzwinkern

Keinesfalls will ich behaupten, dass die Ratgeber über die wir heute sprechen, nicht auch sinnvolles Wissen beinhalten. Es gibt wirklich empfehlenswertes und Autoren wie Tony Robbins, Tim Ferris oder viele andere, von denen man eine Menge lernen kann. Aber eben kann - und nicht muss.

 

Ich möchte Dir folgend ein paar Titel empfehlen, welche etwas entspannter, erzählerischer mit der Materie umgehen. Wo die Optimierung eben nicht im Vordergrund steht.

 

Eher das Nachdenken. Über sich selbst, die Welt und unseren ständigen Drang zur Perfektion.

 

1. Bin ich psycho ... oder geht das von alleine weg?

Schlaflosigkeit, Burn-out, Depression – wo verläuft die Grenzlinie zwischen einer vorübergehenden Stimmung und einer ernsthaften Krankheit?

 

In Zeiten ständiger Forderung und Selbstoptimierung ein lesenswertes Buch, geschrieben von dem erfahrenen Psychiater und Therapeuten Josef Aldenhoff. 

 

2. Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

Es gibt Momente im Leben, in denen einem klar wird, dass man etwas ändern muss. Der Moment, als Alexandra Reinwarth ihre nervige Freundin Kathrin mit einem herzlichen "Fick Dich" zum Teufel schickte, war so einer.

 

Wenn auch erst 2016 erschienen, fast schon ein Klassiker. Unbedingte Leseempfehlung wenn es darum geht Entspannung ins Leben zu bringen. Außerdem sehr humorvoll.

 

3. Das Cafe am Ende der Welt

Ein kleines Café mitten im Nirgendwo wird zum Wendepunkt im Leben von John, einem Werbemanager, der stets in Eile ist. Eigentlich will er nur kurz Rast machen, doch dann entdeckt er auf der Speisekarte neben dem Menü des Tages drei Fragen: »Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben?

 

Einer dieser Titel, bei dem man während des Lesens teilweise gar nicht merkt, welchen Prozess man gerade durchläuft. Man lernt, denkt nach und reflektiert ohne es bewusst wahrzunehmen. 

 

4. Der Traumhändler

Ein geheimnisvoller Mann streift durch die Straßen der Großstadt und verkauft Träume an Menschen, die es längst nicht mehr wagen zu träumen. Ein Betrüger? Ein Psychopath? Ein Weiser? Ein Philosoph? Der Traumhändler stellt den Wahnsinn in unserer heutigen Gesellschaft auf eine erschreckend ehrliche, aber auch einnehmende Weise an den Pranger.

 

Der Spiegel, den wir manchmal brauchen um zu den eigentlichen Werten zurückzukehren. Sehr nachdenklich mit ebenso vielen Passagen mit viel Humor.


 

Ich wünsche Dir viel Spaß mit unseren Empfehlungen. Wenn Du Lust hast zu lesen. Wenn nicht dann warte auf den nächsten Blogbeitrag mit dem Titel:

 

"Die 5 besten Wege unseren Empfehlungen zu folgen"

 

Nicht. 

 

 


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