Die Wenn-Dann Keule

Anfangs der 2000er Jahre. Ich denke, es war wöchentlich donnerstags um 20:15 Uhr.

"Wenn Du jetzt nicht still sitzt und Dich benimmst, dann musst Du 10 Minuten auf die stille Treppe".

 

Die Supernanny.

 

Wenn-Dann… Immer noch einer der beliebtesten Elternsätze. Aber ist Dir mal aufgefallen das wir uns auch als Erwachsene weiterhin mit diesen Worten manipulieren?

Häufiges sagen macht es nicht richtiger

Es beginnt schon in der Kindheit. Wenn Du jetzt nicht lieb bist, dann musst Du auf die Treppe sitzen.

 

Es impliziert negative Gefühle und da es in der Regel dann auch nicht funktioniert, werden sich Kind und Eltern als Verlierer fühlen. Kind denkt "ich kann es nicht" – Mama denkt "ich bin eine schlechte Mutter".

 

Doch was heißt "wenn Du jetzt nicht lieb bist" – ist das Kind nicht lieb, weil es beim Essen zappelt?

 

"Lieb sein" heißt in diesem Moment oftmals "störe mich nicht" oder "mir ist es peinlich, wenn die Leute denken, ich habe dich nicht richtig erzogen".

 

Das Spiel geht so weiter. Tag ein, Tag aus, denn das Kind kann sein "Fehlverhalten" nicht in Relation zu dem eigentlichen Bedürfnis des Erziehenden setzen.

Was will er denn von mir?

Vorteilhafter wäre es dem Kind die Vorteile nahe zubringen. "Wenn Du nicht so viel zappelst, dann kann ich dich besser verstehen, wenn Du was sagst"

 

Oder – "wenn Du besser auf Deine Sachen acht gibst, müssen wir es nicht neu kaufen und können das Geld für eine schöne gemeinsame Aktivität sparen."

 

Man verlagert den Schwerpunkt von der negativen "Bestrafung" in die "positive Belohnung".

 

Ja dies ist in der Kindererziehung (ich weiß, wovon ich rede) manchmal leicht daher gesagt.

 

Doch denk dran – Fortschritt, nicht Perfektion.

Alter Esel

Nun sollte man denken, das wir daraus gelernt haben, wenn wir etwas älter sind. Zumindest im Umgang mit uns selber. 

 

Wenn uns jemand versteht und weiß, wovon wir reden, dann doch schließlich wir selber, richtig?

 

Leider beweist uns das tägliche Leben, jedes Mal das krasse Gegenteil. Nein, das ist zu Vorsichtig ausgedrückt. Unser Unterbewusstsein manipuliert unser innerstes. Nicht hintenrum, sondern mitten in die Fresse.

 

Es bremst uns aus. Zeigt uns auf, was alles passieren kann, wenn wir uns ihm nicht unterordnen.

 

Wenn...Dann...

Nimm Deinen Job. Gefällt er Dir? Jemals Gedanken gehabt diesen zu wechseln oder, noch besser, Dich Selbstständig zu machen?

 

Deine eigene Firma – Du bist Dein eigener Chef. Die "Kollegen" können Dich mal, Du ziehst Dein Ding jetzt durch.

 

Du liegst abends im Bett und malst Dir aus, wie es sein wird. Dann schaltet es sich ein. Was passiert, wenn Du nicht mehr versichert bist. Dann musst Du Dich privat versichern. Wie funktioniert das?

 

Du bist sehr gut in dem, was Du machst. Aber was passiert, wenn Du selbst zwar alles richtig machst, aber die Brache in der Du unterwegs bist eine Krise hat? Dann bist Du im Arsch. Die Rücklagen werden nicht lange reichen und Du wirst zurück in Deinen Job kriechen müssen.

 

Wenn Du dadurch Schulden machst, dann wirst Du finanziell nie mehr auf die Beine kommen.

 

Wenn Du Deiner Familie nichts mehr bieten kannst, dann wird Deine Frau Dich verlassen und Deine Kinder Dich nicht mehr respektieren. 

 

Ok, scheiße..lassen wir es..so schlecht ist der Job ja doch nicht. Schnell noch den Wecker stellen, damit Du nicht verschläfst und der Chef noch sauer wird.

 

Sabotage

Das Gleiche in Grün beim Umgang mit unserem Körper. Abnehmen, gesünder Leben und unbedingt auch Bikram Yoga.

 

Du nimmst Dir vor, die letzten 10 Kg noch zu verlieren. Diesmal ist es soweit und Du wirst ganz sicher nicht einknicken. Bis Du merkst, dass es da noch etwas gibt, das sich Alltag nennt.

 

Es kommt der erste Tag an dem Du das Sportprogramm nicht durchziehen kannst. Die Zeit reicht nicht. Der Beruf, die Kinder - egal was - es gehört zum Alltag.

 

Dann kommt es wieder um die Ecke. Das Unterbewusstsein. Es redet nicht um den heißen Brei, sondern legt den Finger in die Wunde.

 

"Ich habs Dir doch gesagt, Fetti. Du wirst das nicht durchziehen."

 

Zack, der hat gesessen. Wenn Du schon nach ein paar Tagen schwächelst, dann wird es wieder nichts werden. Vielleicht bist Du einfach nicht dafür gemacht. 

 

Jetzt ist es auch egal. Wenn Du schon kein Sport gemacht hast, dann kannst Du Dir auch gleich noch die Tafel Schoki rein hauen. Der Tag es ist eh schon versaut. Loser.

 

Du hast zwar eigentlich eine halbe Stunde Zeit. Doch das ist zu wenig. Wenn schon joggen, dann mindestens eine ganze Stunde, sonst bringt es doch nichts.

Bestärken nicht kleinreden

Sich selbst mit dieser Art von Denken unter Druck zu setzen, führt in der Regel zu extrem negativen Gefühlen. Gekrönt von häufigen Versagergedanken.

 

Genau so wie in der Erziehung junger heranwachsender, sollten wir den Effekt ins Gegenteil kehren. Aus jedem der "Wenn-Dann" Gedanken kann auch etwas Positives gemacht werden.

 

Wenn Du "nur" einmal die Woche 5 km läufst, dann sind dies im Jahr 260 km mehr, wie wenn Du gar nichts machst. 260 km mehr, wie jeder der in der Zeit auf der Couch gesessen hat. Du bist ein fucking Gewinner!

 

Wenn Du es in der Selbstständigkeit nicht schaffst, dann hast Du immer noch die Möglichkeit in Deinen alten Job zurückzugehen. Aber Du hast es probiert und extrem viele neue Erfahrungen gemacht, die Du in Deinem weiteren Berufsleben nutzen kannst. Oder auch bei einem zweiten Versuch. 

 

Die Ziele die Du in Deinem Leben erreichen willst, sollten immer positiv bestärkt sein. Keine innerliche Androhung von Strafe oder das Ausmalen von schlimmen Folgen.

 

Nimm es nicht persönlich

Du machst keinen Sport, obwohl Du es Dir vorgenommen hast. Schon wieder hast Du Dir eine Tüte Chips rein gehauen, obwohl Du Dir doch geschworen hast, es nicht mehr zu tun.

 

Weißt Du was? Das macht Dich nicht zum schlechteren Menschen. Du stehst morgen auf und probierst es wieder. Wieder und wieder und wieder. Denn das macht Dich zum Sieger. Du probierst es, Du bleibst dran und gibst nicht auf.

 

Fortschritt - nicht Perfektion.

 

Und wenn Du es dann geschafft hast - denn Du wirst es irgendwann schaffen - dann kannst Du sagen:

 

Fuck you, Unterbewusstsein!

 

 


Übrigens habe ich erst Anfangs 2017 ein Interview mit der damaligen Supernanny, Katharina Saalfrank gelesen, in dem sie sich heute klar von der "Stillen Treppe" distanziert.

 

Wenn Du mir nicht glaubst - glaub zumindest der Supernanny!


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