Ist es nicht cool genug die Dinge einfach zu halten?

Von meinem Schreibtisch aus habe ich einen wunderbaren Blick, direkt auf den Parkplatz eines Fitnessstudios.

Ein täglich reges Treiben und schon beim Aussteigen mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten. Erst gestern wieder, mein Favorit.

 

Er schwingt sich aus dem Fahrersitz, schließt die Türe.

Am Kofferraum ein schneller Schwung mit dem Fuß und die Klappe geht Sensor gesteuert auf. Er schnappt sich die Sporttasche, kurzer Blick auf den Schrittzähler am Handgelenk und ab Richtung Eingang.

 

Das soll nun sicherlich kein Bashing sein, an Leuten die sich körperlich im Fitnessstudio betätigen. Ganz im Gegenteil, wünsche ich mir und uns allen manchmal die Disziplin, wie sie manch einer der Studiobesucher aufbringt.

 

Es stellt sich viel mehr die Frage der Verhältnismäßigkeit. Unser Eingangs benanntes Beispiel, tut im Vorfeld seines Trainings alles dafür, jegliche körperliche Kraftanstrengung zu vermeiden. Er vermeidet sie, um dann für 45 oder 60 Minuten im Studio Krafttraining zu betreiben.

 

Nachdem er mit dem Auto angereist ist, wird dann im Gym mittels eines anstrengenden Cardiotrainings, entweder auf dem Laufband oder auf dem Ergometer, ordentlich etwas für die Kondition gemacht. Es ist ja auch wichtig in der heutigen Zeit, in der das Sitzen im Beruf immer mehr zur Normalität wird, Bewegung in Form von Ausdauertraining einzustreuen.

 

Tust Du es für Dich oder für die anderen?

Wäre es denn nicht eigentlich viel logischer, viel einfacher, zum Studio zu laufen oder zu joggen. Den Weg dorthin mit dem Fahrrad zu bestreiten, damit man seine Cardioeinheit schon gemacht hat und gleich ins Krafttraining einsteigen kann?

 

Doch das wäre es. Aber seien wir ehrlich – es würde ja keiner sehen. Keine anerkennenden Blicke für das geleistete und der einzige, der es mitbekommt, das Du Dich anstrengst, bist Du selber. Dann kannst Du es ja gleich sein lassen, richtig?

Es reicht heutzutage nur noch schwerlich aus, das Ergebnis für sich sprechen zu lassen. Wichtig ist es den Weg dorthin ästhetisch perfekt zu gestalten und das ganze dabei auch cool und trendy aussehen zu lassen.

 

Ich ernähre mich jetzt clean

Hast Du Dich schon mal gefragt, warum es in einem Supermarkt, eigentlich in jedem Supermarkt, den ich kenne, im Obst- und Gemüsebereich, extra ausgewiesene Stellen für "Bioartikel" gibt? Müsste es nicht eigentlich anders herum sein und Lebensmittel die eben nicht "Bio" sind, sondern chemisch behandelt wurden, müssten Extra ausgezeichnet werden?

 

Nur wäre es dann ja völlig normal sich "clean" zu ernähren. Es wäre nichts mehr besonderes darüber zu reden, dass man nur Bioartikel einkauft. Der Smoothie, also der Saft verschiedener Lebensmittel die draußen auf dem Feld oder auf den Bäumen wachsen, würde dann seinen Glanz verlieren, wenn er kein cooler Smoothie wäre.

 

So etwas von uncool

Als ich Anfangs meiner Zwanziger, eine Operation an den Fußgelenken, mit anschließender 16 Wochen Ruhephase hatte, war es um mein Gewicht geschehen. Den Tag ohne Bewegung rum zu bringen bedarf einer Ersatztätigkeit und diese war in meinem Fall – Essen.

Nachdem Ich also auseinander gegangen bin wie ein Hefezopf, war es danach an der Zeit, wieder etwas dagegen zu tun. Ich habe mich für ein halbes Jahr dazu "verpflichtet", ordentlich Bewegung in mein Leben zu bringen.

 

Unter den heutigen Social Media konformen Ansprüchen, hätte ich dies wahrscheinlich keine zwei Wochen durchgehalten. Ich hatte nicht viel Ahnung, quasi kein Equipment und nicht speziell zueinander passende Trainingsoutfits.

 

Meine Naivität und das extrem einfache Denken sollte sich für mich aber als wahrer Glücksfall herausstellen. Mein Grundgedanke, mich einfach mehr zu bewegen und etwas weniger zu Essen, entsprang keinesfalls meiner Genialität. Ich dachte schlicht und einfach "wenn ich so extrem zugenommen habe, weil ich mich kaum bewegte und zu viel gegessen habe, dann müsste doch das Gegenteil passieren, wenn ich es anders herum mache".

 

Also fuhr ich den täglichen Weg zur Arbeit mit dem Rad – 20 km – keine Welt aber ordentlich Bewegung. Wenn es mir nicht reichte, setzte ich mich im Keller auf den Ergometer aus dem Discounter und strampelte noch weiter.

 

Mein "Krafttraining" bestand aus Liegestützen und dem Gewicht eines Feuerlöschers. Und die Dauer meines Trainings gestaltete ich ebenso sehr einfach. Ich machte so lange, bis ich nicht mehr konnte. Bis ich wirklich richtig erschöpft war.

 

Mit der Zeit merkte ich, dass dies in die richtige Richtung ging und ich verstärkte den Effekt noch etwas. Ohne die Kaloriendichte einzelner Lebensmittel zu kennen oder zu zählen, funktionierte meine Ernährung trotzdem sehr gut. Meine simple "Strategie" – eine Karotte sollte etwas besser für den Körper sein als ein Brötchen. Auch der Brokkoli oder der Blumenkohl taugt mehr als die Pizza.

 

Ich verlor also in diesen 6 Monaten rund 30 Kilo Gewicht und wurde in der Folge oftmals gefragt, wie ich das denn gemacht hätte und welche Ratschläge ich geben kann. Genau darauf wusste ich in der Regel aber keine Antwort.

 

Gott war ich naiv. Gott war ich uncool. Und Gott, war das schön! 

 

Ich möchte Dir auch heute keine Ratschläge, keine Empfehlungen für irgendwelche Ernährungsformen geben. Ich möchte Dir viel mehr vermitteln, das Du eigentlich gar keine Ratschläge brauchst.

 

#simplethinking – Du weißt es, denn Du hast es intuitiv in Dir. Versuche mal das coole, das glamouröse auszublenden. Was bleibt denn dann noch übrig?

 

Du und Dein Körper. Er ist die beste App, das beste Werkzeug das Du hast. Benutze ihn, wofür er ursprünglich geschaffen wurde und Du wirst sehen, dass er es Dir danken wird.

 

Die Rolltreppe wurde erfunden für Menschen, die körperlich nicht in der Lage waren, eine Treppe zu benutzen. 

 

It's just that simple!


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Kommentare: 1
  • #1

    This (Sonntag, 16 April 2017 19:27)

    Super Artikel, danke.....und weiter so!