Katholisch, Evangelisch oder Paleo?

Bei der Recherche zu Themen rund um mein neues Buch und für diverse Blogbeiträge, lande ich natürlich auch immer wieder in "Foren", welche sich mit dem Thema Diät und Ernährung im Allgemeinen beschäftigen.

 

Holla, die Waldfee – da geht es manchmal aber so richtig zur Sache! Hast Du schon einmal der Diskussion zwischen einem Verfechter der veganen Ernährungsweise und einem Anhänger der High Protein/High Fat Methode gelauscht?

 

Ich kann Dir versprechen, da bleibt kein Auge trocken.

Kann es nicht sein, das irgendwann mal, lange vor unserer Zeit auch so die Weltreligionen entstanden sind? Durch Anfangs einfach unterschiedliche Meinungen zu diversen Themen. Genau so wie es heute unterschiedliche Auffassungen gibt, wenn wir über das Thema Ernährung diskutieren.

Fachliche Diskussionen?

Doch ganz ehrlich, manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass es gar nicht mehr um fachliche Diskussionen geht. Der Grundgedanke, nämlich einen individuell passenden und gesunden Weg zu finden, sich zu ernähren, ist immer weiter in den Hintergrund getreten.

Es dreht sich mittlerweile alles darum, wer Recht hat und wessen System und wessen Programm das ultimativ beste ist. Die Ernährungsfrage ist quasi zu einer Religion verkommen, welche oftmals genauso militant vertreten wird, wie so manche der angesprochenen Weltreligionen.

 

Religion und Ihre Folgen

Ähnlich wie bei vielen religiösen Gruppierungen, werden deren Mitglieder auch schnell mal blind, für die auch vorhandenen negativen Seiten der jeweiligen Ausrichtung. Diese dunklen Flecken finden wir über alle Glaubensrichtungen verteilt.

 

Sind es die Katholiken, von deren Vertretern im Priesteramt, wir immer wieder Verfehlungen zum Thema Kindesmissbrauch hören oder die aktuelle Diskussion zum Thema Gewalt / Terrorismus und der Islam. Jeder dieser Religionen hat seine guten Seiten. Jede aber auch seine Schattenseiten und seine Anhänger die dies zu fanatisch betreiben.

 

Und ist es beim Thema Ernährung nicht das gleiche? Viele der modernen Ernährungsmethoden haben Ihre guten und gesunden Seiten. Sehr viele haben, ähnlich wie bei den Glaubensrichtungen, auch riesige Schnittmengen. Also einfach Punkte in denen sie sich gar nicht unterscheiden.

 

Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis zur ersten "Heiligen Gemeinschaft der Low Carbler". Oder der "Glaubensgemeinschaft der gesunden Paleoisten".

 

Der Sog der Gruppe

Doch schauen wir mal hinter die Fassade dieser Ersatzreligionen. Ich denke, dann wird relativ schnell klar, dass die Triebfeder dieses blinden Befolgens, umsatzgetriebener Vorgaben irgendwelcher Gurus, nicht mehr die gesunde Ernährung des Körpers ist.

Es geht vielmehr darum einen bestimmten Lifestyle zu pflegen. Der Kult einer Gemeinschaft anzugehören, pusht das eigene Ego und lässt einen in der Gruppe aufblühen. Das kann bis zu einem bestimmten Punkt sehr gut sein. Vor allem, wenn es dazu führt, dass sich die Menschen wieder mehr damit beschäftigen, was sie da so täglich ihrem Körper zuführen.

Doch hier beißt sich die Katze auch gerne in den Schwanz. Denn daraus entsteht allmählich dann auch der Kreislauf, der uns quasi Betriebsblind werden lässt. In den 70er Jahren beginnend, wurden in den Folgejahren unzählige Studien präsentiert, welche alle denselben Tenor hatten. Fettes Essen ist scheiße. Fettes Essen macht dich Fett und fettes Essen ist der Teufel.

Man konnte sich der "Holy Anti Fat Bewegung" gar nicht entziehen. Gestandene Männer, zwei Meter an Größe und Statur, wurden von ihren Frauen auf Fettdiät gesetzt, weil es doch beweisen war, das Fett schuld ist an Herzinfarkten, zu hohem Cholesterin und vielen weiteren Krankheiten.

 

Niemand wollte zu der Zeit wirklich hinterfragen, was da so publiziert wurde. Wie sollte man dies auch in Frage stellen, wurde es einem doch rund um die Uhr als Fakt präsentiert. Der ganze Bekanntenkreis, die Verwandten, einfach alle waren sich sicher. Da konnte man schwer dagegen angehen ohne aus der Gruppe "ausgeschlossen" zu werden.

 

Heute wissen wir das vieles von dem was damals, mit beinahe religiösen Zügen verkauft wurde, ein ziemlicher Humbug ist und war. Wir wissen das über 90 % der Studien, von der Industrie gesponsert wurde, welche die besten Umsätze aus dem Hype gezogen hat. Die Zuckerindustrie, die Firmen die Softdrinks herstellten oder auch Erzeuger von kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Nudeln oder ähnlichem.

 

Ein zwar schon etwas älterer aber immer noch sehr guter Fachartikel von Dr. Irene Meichsner, der auf Wissenschaft.de erschienen ist, beschäftigt sich noch tiefer mit der Materie.  

Was ist wirklich wichtig

Ich möchte mich für keine spezielle Ernährungsform aussprechen. Es gibt mittlerweile zu viele davon um sie alle objektiv vergleichen und bewerten zu können. Es geht doch eigentlich eher um denn Sinn und Zweck von Ernährung insgesamt.

 

Wenn Du gefragt wirst, warum Du Dich auf eine spezielle Art und Weise der Essenszufuhr festgelegt hast, was würdest Du antworten? Weil Du abnehmen willst. Weil Du gesund bleiben willst oder eventuell auch weil es wichtig ist in Deinem Beruf eine "gute Figur" zu machen?

 

#simplethinking – Essen und natürlich auch Trinken dient in allererster Linie dazu, unseren Körper funktionstüchtig zu halten. Es ist analog zum Auto, unser Treibstoff. Ohne diesen können wir nicht effizient arbeiten, leben, lieben und Freude haben. Je qualitativ hochwertiger der Treibstoff, umso besser die Chance, Sorgenfreier und länger unserem Leben zu frönen. Wir alle wissen, dass zum Beispiel Naturbelassene Lebensmittel, immer den industriell verarbeiteten vorzuziehen sind. 

#simplethinking – genau darum gilt es aber auch keine Religion daraus zu machen. Ernährung ist etwas an für sich sehr einfaches. Wir haben teilweise nur verlernt so simple damit umzugehen. Führe Deinem Körper zu, was ihm gut tut und nicht etwas das Dir von einer bestimmten Gruppe von Menschen vorgeschrieben wird.

Abschließen möchte ich mit einem meiner liebsten Merksätze zu diesem Thema. Der Schweizer Arzt und Alchemist Phillippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, der Allgemeinheit besser bekannt als, Paracelsus sagte einmal:

 

"Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift;

                                          Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist"


Bist Du schon einmal einer "Glaubensrichtung" verfallen? Lass uns diskutieren darüber. Nicht die übliche Diskussion, welche Ernährungsform die richtige ist. Lass uns über das Drum herumreden. Über den Schein und Faszination der Gruppe…

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Kommentare: 2
  • #1

    Lotta (Mittwoch, 05 April 2017 21:30)

    Hey,
    ich stimme dir voll und ganz zu bei dem, was du schreibst. Habe das mit der Ersatzreligion auch schon längere Zeit beobachtet. Die Menschen suchen sich eben einen Sinn im Leben und moralische Werte, an denen sie sich orientierten (und ggf. Andere verurteilen) können. Sehr wichtig, sich das deutlich zu machen und wie du dagegen anzuschreiben! � Liebe Grüße, Lotta

  • #2

    Marcus (Mittwoch, 05 April 2017 22:10)

    Hi Lotta,

    Danke für Deinen Kommentar. Das mit dem verurteilen ist ein wichtiger Hinweis. Genau das kann man leider immer wieder beobachten...

    Es freut mich zu sehen, dass die auch anderen auffällt!

    Liebe Grüße
    Marcus von #simplethinking