Wie krank sind wir wirklich?

Das Deutsche Gesundheitssystem ist in der restlichen Welt sehr angesehen. Besonders gelobt wird es vor allem wegen seiner sozialen Aspekte.

 

So unterliegen die gesetzlichen Krankenversicherungen einem "Solidaritätsprinzip", durch dies niemand von der Versorgung ausgeschlossen oder diskriminiert werden soll.

 

Doch ist es wirklich so sozial, wie wir denken?

 

Als der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, im zweiten Halbjahr 2016 seine eigene und andere gesetzliche Kassen quasi des Betrugs bezichtigt hat, dachten sicherlich viele Menschen, der Mann hat den Verstand verloren.

 

Was auch immer seine Beweggründe dabei waren, leider wurde über seine Aussagen und die dahinter stehenden Umstände in den meisten Medienhäusern nicht ausreichend berichtet. Der Mann sagte in mehr oder minder deutlichen Worten "Wir betrügen Euch alle."

So ist es gang und gäbe, und dies wurde mittlerweile auch bewiesen, dass die Krankenversicherer unsere Ärzte dazu "animieren", die Krankheit schwerwiegender darzustellen, als sie eigentlich ist. 

Dies ist aus monetärer Sicht der Krankenkassen grundsätzlich sogar verständlich denn - je schwerwiegender eine Krankheit umso mehr Geld gibt es. Der Jackpot in diesem Fall ist ein chronisch kranker Patient.

Warum ist dies so?

 

Kurz zusammengefasst geht es darum, dass alle Krankenkassen ihre Gelder aus dem Gesundheitsfonds beziehen. Dieser setzt sich zusammen aus den Beiträgen der Mitglieder, Arbeitgeber und weiteren, wie Zahlungen aus den Rentenversicherungen.

Daraus erhalten die Kassen dann unterschiedliche Beträge, die festgelegt wurden mittels eines Durchschnitts der Behandlungskosten von angefallenen Krankheiten. Dazu wird dann noch, und hier liegt die Krux, ein sogenannter Finanzausgleich gezahlt, welcher Kassen mit einer gesundheitlich anfälligen Mitgliederstruktur vor einer Benachteiligung schützen soll.

Und daraus entsteht dann - Du kannst es Dir denken - der Anreiz die Krankheiten auf dem Papier auch gerne mal etwas heftiger aussehen zu lassen.

Dadurch verdient der Arzt jetzt erst mal nicht mehr. Er wird im Grunde für die Behandlung bezahlt und nicht für die Diagnose. Besser bezahlt wird aber die Krankenkasse und da diese natürlich davon profitieren will, schafft sie "Anreize" für die Ärzte, diese Diagnosen auch entsprechend aussehen zu lassen.

 

 

„Aus einem leichten Bluthochdruck wird ein schwerer. Aus einer depressiven Stimmung eine echte Depression, das bringt 1000 Euro mehr im Jahr pro Fall.“

Jens Baas in der FAZ vom 12.10.2016

 

So sind es die Krankenkassen selbst, die von einer Vervierfachung der Diagnose "Depression", in den letzten vier Jahren berichten. Mach Dir Dein eigenes Bild. Ist das Leben in den letzten Jahren so schwer geworden, sind die Menschen psychisch so instabil geworden, dass diese Zahl zustande kommt?

 

Oder geht es hierbei nicht doch schlicht und einfach ums liebe Geld?

 

#simplethinking - in China war es lange Tradition, und ist es teilweise heute noch so, das die Ärzte bezahlt werden so lange ihre Patienten gesund sind. Unsere Ärzte werden erst bezahlt, wenn wir krank sind und sie uns davon "heilen" sollen. Doch ist es nicht die ureigenste Aufgabe von Ärzten dafür zu sorgen, dass wir erst gar nicht krank werden?

 

 

Nun frägst Du Dich sicher, nicht ganz zu Unrecht - was kann ich tun? Ich muss doch meinem Arzt vertrauen, wenn er mich untersucht und mir eine entsprechende Diagnose stellt. Und damit hast Du grundsätzlich auch erst einmal recht.

Der Arzt ist der Fachmann und weiß doch genau, was er tun muss. Und trotzdem gibt es Mittel und Wege, wie Du direkt oder indirekt Einfluss darauf nehmen kannst. Drei der Wichtigsten wollen wir Dir hier aufzeigen:

 

 

  1. Sorge vor

Warte nicht erst bis Du krank bist, sondern kümmere Dich schon vorher drum. Es gibt viele Wege um sich bewusst mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen. Sprich mit Deinem Arzt über das Thema Ernährung und Bewegung. Lass sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen machen. Treibe Sport, unabhängig von Deinem Alter und widme Dich auch dem Thema Entspannung und Erholung.

 

        2.  Sei kritisch 

 

Wie oft schon wurde Dir beim Arztbesuch mit einer Erkältung, direkt eine Schachtel Antibiotika verschrieben? Und womöglich hast Du diese dann zwei Tage lang genommen und es dann

„vergessen" weil es Dir auch flott wieder besserging. Wahrscheinlich hätte es auch ohne Medikamente nur unwesentlich länger gedauert. 

 

Hier geht es nur um eine Erkältung, aber natürlich gibt es noch ganz andere Fälle. Sei es das Künstliche Hüftgelenk bei der Oma oder der stationäre Klinikaufenthalt wegen chronischer Erschöpfung.

Wer weiß ob Gymnastik, Bewegung und Erholung an der frischen Luft nicht den gleichen Effekt gehabt hätten. Sei kritisch, hinterfrage und vor allem - hole Dir in schwerwiegenden Fällen immer eine zweite Meinung zur vorgeschlagenen Behandlungsmethode!

 

        3. Sei politisch Interessiert

 

Ein wesentlich indirekter Weg ist es sich bei den nächsten Wahlen mal genau mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Führende Wissenschaftler hatten die Regierung schon vor vielen Jahren darauf hingewiesen, dass unser System solche Auswüchse annehmen wird.

Doch die Politiker wollten es anders - ein Schelm wer Böses denkt.

#simplethinking

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit einem Freund, der mir von seinem Aufenthalt in Marokko berichtete. Es war eine tolle Woche und wie unter Kollegen so üblich habe ich in damit aufgezogen, dass es noch nicht mal die zweite Jahreshälfte ist und er schon den zweiten dicken Urlaub hatte.

 

Seine schlichte aber natürlich mit einem Augenzwinkern versehene Antwort war:

"Weißt Du, meine Frau (Ärztin in einer stationären Klinik) wurde für diese Woche an ein Ärzteseminar nach Marokko eingeladen". Gekostet hat uns der Urlaub nichts...


 

Hast Du auch schon Erfahrungen gemacht, mit überzogenen Diagnosen und kommt Dir das beschriebene bekannt vor? Lass uns darüber diskutieren - natürlich auch wenn Du anderer Meinung sein solltest!

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